Was darf es denn sein?

VON ANINA TORRADO, 08. 05. 2018

Wer zum ersten Mal in der Gastronomie arbeitet, kann schon mal «auf die Welt kommen». Denn was bei professionellen Kellnern und Köchinnen so spielend leicht aussieht, ist harte Arbeit für Beine und Kopf. Eine Gruppe Kinder in St.Gallen lässt sich davon nicht abschrecken: Sie betreiben im Sommer an vier Nachmittagen ein Kinderkafi.

Matthias Roth studiert in seinem Büro in der St.Galler Innenstadt die Wetterprognosen für die nächsten zwei Wochen. «Ich wage es kaum zu sagen, aber für den 25. Mai wünsche ich mir ein paar Wolken», lacht der Sozialarbeiter, der in der Offenen Arbeit mit Kindern arbeitet. Was in St.Gallen alle drei Jahre für Aufregung sorgt, nennt sich Kinderfest. Dieser Anlass findet nur bei schönem Wetter statt – und einer der möglichen Termine ist prompt der 25. Mai.

Beim Einrichten des Kinderkafi packen alle mit an

Einen kühlen Kopf bewahren

An jenem Freitag wird auch das Kinderkafi an der Tschudistrasse 31 seine Tore öffnen. Eine Terminkollision würde bedeuten, dass es ins Wasser fällt. Roth nimmt’s gelassen. Das Kinderkafi ist eines der Projekte, die das Team der Offenen Arbeit mit Kindern in der Stadt St.Gallen auf die Beine gestellt hat. «Beim Kinderkafi kreieren wir zusammen mit den Kindern aus dem Quartier ein Pop-up Café. Mit allem, was dazu gehört: Schöne Tischdeko, gesundes Essen, Profi-Outfits und eine gute Servicekultur», erklärt Roth. Das sei organisatorisch anspruchsvoll, mache den Kindern aber grossen Spass. Und es habe positive Effekte: Die Kinder üben sich in Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, machen sich Gedanken über eine sinnvolle Ernährung und verbringen ihre Freizeit zusammen.

Das Kinderkafi ist Gewinnerin des Kebab+ Award 2016

Das Kinderkafi ist eines von vielen erfolgreichen Projekten der Offenen Arbeit mit Kindern. 2016 wurde es mit dem Kebab+ Award des Migros-Kulturprozent gewürdigt, weil es einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gesundheitskompetenz bei Kindern und Jugendlichen leistet. Der Preis hat den Projektverantwortlichen Mut gemacht, das Café jedes Jahr weiterzuentwickeln.

Zum Apéro gibt es Popcorn

Bunte Speisekarte

Roth und seine Kolleginnen und Kollegen begleiten die Kinder bei der Vorbereitung und im Cafébetrieb tatkräftig. Die Planung beginnt schon Wochen vor der Eröffnung. Auf einem Flipchart können die Kinder ihre Ideen notieren, zum Beispiel für die Menükarte oder die Deko. Ausserdem stellen die Kinder den Speiseplan selber zusammen. «Da gibt es manchmal wilde Mischungen. Aber schlussendlich ist das Café von Kindern für Kinder und diese mögen halt auch Wienerli mit Ketchup», lacht Roth und sorgt dafür, dass dann jeweils auch noch Fruchtspiesse auf der Karte stehen.  Die Kinder wählen als nächstes aus, in welcher Funktion sie im Kinderkafi arbeiten möchten. Schliesslich geht es ans Basteln: Samen in Töpfe pflanzen, Menükarten schreiben und Kuchen backen.  

Das Kinderkafi ist ein beliebter Quartier-Treffpunkt

Gäste stehen Schlange

Wenn der heissersehnte Tag der Eröffnung endlich da ist, instruiert Matthias Roth seine junge Crew: Zwei Kinder sind in der Küche, drei im Service und zwei kassieren ein. «Die Kinder sind jeweils ein wenig nervös, denn um 16 Uhr können gut schon 20 Gäste Schlange stehen.» Es habe sich im Quartier herumgesprochen, dass die Kinder etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen würden. 

Roth erzählt: «Ab und zu gibt es eine Panne. Die Milch kocht über, wir vergessen eine Bestellung oder der Gast muss uns beim Rechnen helfen.» Er ist aber überzeugt, dass genau diese Erfahrungen wichtig für die Kinder sind. Es gehe darum, dass die Kinder ausserhalb ihrer Komfortzone etwas lernen. Das gibt ihnen neues Selbstvertrauen und regt sie zur Kreativität an.

Eines der Kinder meint dazu: «Ein Café zu führen ist schon streng. Aber wenn etwas nicht klappt, erfinden wir einfach was Neues. Zum Beispiel fanden wir es unhöflich, direkt nach dem Servieren einzukassieren. Dann hatten wir die Idee, dass wir den Bestellzettel einfach auf den Tisch kleben. Die Gäste konnten in Ruhe essen, aber wir haben den Überblick, welche Rechnung noch offen ist». Die Quartierkinder freuen sich auf jeden Fall schon riesig auf das Kinderkafi 2018. 

Die Vorbereitung startet schon Wochen vorher

Kinderkafi 2018

Im Kindertreff an der Tschudistrasse 31 in St.Gallen öffnet das Kinderkafi am 25. Mai, 8. Juni, 31. August und 14. September seine Pforten. Am 25. Mai findet dort ebenfalls der Kofferflohmarkt statt. Falls das Kinderfest am 25. Mai oder 8. Juni stattfindet, fällt das Kinderkafi an jenem Tag aus. Verantwortlich für die Umsetzung ist das Team der Offenen Arbeit mit Kindern der Stadt St.Gallen. Die Fachstelle organisiert kostenlose, niederschwellige Freizeitangebote für Kinder.

www.kjf.stadt.sg.ch

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